Mein Telefonwarteschleifenmusiksyndrom (kurs TWSMS)

Photo by Jason Rosewell on Unsplash
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Ich leide am TWSM-Syndrom. Das ist so ähnlich wie Tinitus, allerdings eindeutig auf Telefonwarteschleifenmusik zurückzuführen. 

Ursache allen Leidens waren 56 Anrufe bei Unternehmen. Bissige Vorzimmerdamen (ja, die gibt’s noch), uncharmante Gesprächspartner, schlechter Empfang? Alles Banalitäten im Vergleich zu dem DAVOR.

Davor … ertönt nämlich die Telefonwarteschleifenmusik. Das Wort Musik in dem Zusammenhang überhaupt nur zu tippen fällt mir schon schwer. Viel mehr als Musik ist es ein nicht enden wollendes, akustisches, prophylaktisches Quälen seiner Anrufer; vermutlich mit der Aufgabe, hartnäckige, ernsthaft interessierte Anrufer von jenen zartbesaiteten Geschöpfen zu unterscheiden, die vielleicht nur eine betriebswirtschaftlich unrentable Fragen am Herzen haben.

 

Da ich für den Zweck dieser Anrufe bezahlt wurde, hielt es mich zartbesaitetes Geschöpf freilich nicht davon ab, in der Warteschleife gefangen den Qualen zu lauschen. Dabei konnte ich drei wesentlich unterschiedliche Stilrichtungen identifizieren. Die will ich nun dir, lieber Leser (und Hörer) vorsorglich vorstellen (keine Angst, ich singe nicht):

1. Die Headset-Schleuder

Gerade erst ein Gespräch beendet steht die nächste Nummer auf der Liste. Frohen Mutes gibst du die Ziffern ein und hoffst, am anderen Ende auch wirklich die zuständige Person zu am Hörer zu haben.

DINGELINGE – BÄM-BÄM- BÄM, TUSCH [Posauneneinsatz] TUSCH - DINGELINGE – BÄM-BÄM- BÄM – [PAUKENSCHLÄGE] BÄM------------BÄM!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Lass dir sagen: für den Lautstärkenregler am Telefon ist an der Stelle ZU SPÄT! So schnell wie möglich das Headset vom Kopf reißen und erst im sicheren Abstand zum eigenen Gehörgang an  so etwas wie Lautstärkentasten denken. Sobald das Headset auf eine akzeptable Lautstärke eingestellt ist, hebt deine Zielperson am anderen Ende der Leitung garantiert ab. Und du – hörst nichts! 

2. Reliquien aus Omas Zeiten

Schon klar, früher waren es harte Zeiten. Nichts mit Snooze-Taste oder Weckmelodie „Vogelgezwitscher“. Aber muss die Telefonwarteschleifenmusik abgehen wie Omas Wecker mit seinem klirrenden Metallgebimmel?

 

Der Vorteil: Du bist nach dem ersten Freizeichen munter! Der Nachteil: Du hast dich so erschrocken, dass du den Grund deines Anrufs sicher vergessen hast! 

3. Ukrainische Folter-Folklore

Zur Klarstellung: ich hab nichts gegen Ukrainer. Und ich hab auch nichts gegen Folklore. Es gibt jedoch Telefonwarteschleifenmusik, bei der man Amnesty International informieren sollte. Ich bin ganz sicher, dass die Töne während der Folter einer Ukrainischen Folklore-Band aufgezeichnet wurden. Ich verstehe zwar kein Wort, aber es tut mir sicherlich genauso weh wie den armen Musikern …

Nach den 56 Telefonaten in Folge kann ich eines mit Sicherheit sagen: Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer mit Gehörgängen: Tut der Menschheit oder wenigstens euren Anrufern einen Gefallen und verzichtet auf jegliche Bespaßung bis zum Abheben des Telefons. Das Wort Telefonwarteschleifenmusik lässt doch wirklich schon erahnen, dass nichts Gutes dabei rauskommen kann.