(N)ein Plädoyer 

Von Kleinstkindesalter an lernen wir, dass Ablehnung böse ist. Dass Nein böse ist. 

Widerstand, so angemessen er auch sein mag, wird missbilligt. Das wird damit gerechtfertigt, dass Eltern/Lehrer/Erziehungsberechtigte/Ältere/… behaupten zu wissen, was das Beste sei. Ist man anderer Meinung und versucht dies auch klar zu machen (die Form des Widerstands verändert sich dabei mit zunehmendem Alter von Babygebrüll über störrisches Mitten-auf-der-Straße-Stehen bis hin zum pubertären Trotz-Nein) hagelt es Belehrungen, Umerziehungsmaßnahmen, Bestürzung bis Beleidigung, Liebesentzug oder was auch immer in den kreativen Schubladen der oben genannten Autoritäten zu finden ist.


Bei Menschen, die grundsätzlich „gefallen“ wollen, ist der Drang, Nein zu sagen damit sehr bald beendet. Einige brauchen etwas länger, bis ein gedachtes Nein zu einem gesagten Ja wird. Der kleine Rest, der sich ein Nein sein Leben lang beibehält, gilt bestenfalls als stur, im schlimmsten Fall als oder Querulant oder asozial.


Dabei ist Nein so gesund! Denn Nein zu sagen, wenn man Nein meint, heißt, sich selbst treu zu bleiben (oder wieder zu werden). Nein kann heißen, sich gegen etwas und FÜR etwas anderes zu entscheiden. Nein kann Freiraum schaffen, wo Mauern standen. Nein kann schmerzen und gleichzeitig reinigen. (Zugegeben, jetzt wird’s zu philosophisch.)


Ich hab vor kurzem Nein gesagt. Es war ein langer Nein-Prozess, aber nicht so hart wie erwartet. Die Resonanz war sogar überraschend milde. Und ich kann nur jedem empfehlen, statt eines gefallen-wollenden Ja‘s mal ein ehrliches Nein von sich zu geben.




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Kommentare: 1
  • #1

    RuWi (Donnerstag, 18 Juni 2015 11:02)

    Danke sehr, hat mir sehr gefallen...
    Ab jetzt kann ich richtig "NEIN" sagen