Grüß Gott!

Ob beim Eintreten in ein Lokal, bei der Familienfeier oder auf der Straße. Das mit dem Grüßen hält ja jeder irgendwie anders.

Die einen bringen das ganze Jahr über den Mund kaum auf, die anderen fallen einem „Bussi-links-Bussi-rechts“ ungefragt um den Hals, selbst wenn man/frau sich seit Jahren nicht gesehen hat.


Natürlich wird man an einem Mariahilferstraßen-Samstagvormittag nicht damit fertig, Grüß Gott oder auch nur irgendeine andere Begrüßungsfloskel auszusprechen. Aber in einer Kleinststadt wie der unsrigen tut ein persönliches Wort oft schon ganz gut. Und ganz nebenbei erfreut es auch das Gemüt an einem düsteren Morgen.


Dabei muss ich ausdrücklich die internet-geprägte „heutige Jugend“ in Schutz nehmen, der ein einfaches Hallo oder S'Gott oft leichter über die Lippen kommt, als so manch grummeligem Mitt-60er.


Besonders überrascht schrecken die Kirchgänger/innen hoch, wenn man sie am Weg zur Morgenmesse mit einem Grüß Gott vor der frühen Frömmigkeit überrascht.


Noch spannender sind die pädagogischen Begrüßungszeremonien. Man stelle sich das folgendermaßen vor:  Am ewig gleichen Weg  grüßt man sein Gegenüber so lange, bis es

a) glaubt, dass man sich irgendwoher kennt und deshalb ebenso freundlich grüßt oder

b) automatisch zumindest für das nächste halbe Jahr grüßt.


Manchmal wird man aber auch sehr positiv überrascht. Zum Beispiel, wenn man in einer Produktionshalle voller fremder Menschen aus jeder Ecke und hinter jeder Maschine ein „Tag“, „Morgen“, „Grüß Gott“ zugeworfen bekommt. Da fühlt man sich nicht nur wahrgenommen, sondern gleich auch aufgenommen.


Guten Morgen, Hallo, Grüß Gott, Servus, ... Grüßen Sie doch morgen einfach mal die Menschen, die Ihnen so entgegenkommen und beobachten Sie die Reaktionen. Sie werden überrascht sein, wie viele Menschen Sie anlächeln und „zurückgrüßen“, wie viele sich freuen, welche Stimmen aus den Gesichtern sprechen und wie viele Ihrer Mitmenschen Sie nach einer Woche wie selbstverständlich als erstes grüßen. Und wissen Sie was: Es tut richtig gut!



PS: Am meisten Wortwitz in Sachen Begrüßungsfloskeln beweist übrigens die Zunft der Buchbinder:

Gut Falz!

Ebenfalz.