Heini Staudinger plädiert für "Bitte sei net so deppad"

Wie beschreibt man den Vortrag eines Mannes, dessen beiden Firmenleitsätze „Scheiß‘ di net an“ und „Bitte sei‘ net so deppad“ lauten?

 

Heini Staudinger, Gründer der „Waldviertler“ und spätestens bekannt, seit er Mitarbeiter Firmenanteile erwerben ließ und damit einen bis heute andauernden Konflikt mit der FMA (Finanzmarktaufsicht) provozierte, begeisterte am Di, 23.9. im Rahmen von Mission Wirtschaft 2050 mit seinen Erfahrungen und Ansichten zum Wirtschaftssystem mehr als 250 Besucher im Kristallsaal des Waidhofner Rothschildschlosses.

 

Gespickt mit Anekdoten aus Kindheit, Jugend, Firmengründungs-, Krisen- und Aufstiegszeiten malte Heini Staudinger bunte Bilder: als eines von fünf Kindern von Greisler-Eltern in Schwanenstadt lernte er die drei wichtigsten Grundregeln fürs Geschäftsleben laut eigener Aussage bereits mit 3 Jahren: Grüßen, Dienen und

Bedienen sowie Kopfrechnen.

 

Mindestens genauso geprägt hat den Wirtschafts-Revoluzzer wohl seine Afrikareise nach den ersten Theologie-Studiums-Versuchen – mit dem Moped von Schwanenstadt nach Tansania.

Heute, 30 Jahre später, nutzt er seine mittlerweile erworbene Bekanntheit, um seine Stimme gegen ungerechte Besteuerung, ungerechte Verteilung und unbedachten Konsum zu erheben.

„Nie ist zu wenig, was genügt“ zitiert Staudinger Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr - 65 n. Chr., römischer Politiker, Rhetor, Philosoph und Schriftsteller) und meint damit, dass wir mit unserem Konsumverhalten nur Symptome bekämpfen, nicht die Ursachen. Denn, so meint er weiter „Das wichtigste im Leben ist das Leben selbst“. Die Wirtschaft sollte dabei „nur“ nährhafter Boden sein, uns nicht täglich im Weg stehen, womit er weniger die Wirtschaft als vielmehr die fehlenden oder falschen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen anspricht.

Dass es für alle Auflehnung Mut braucht, erläuterte er sehr anschaulich an den augenzwinkernden Firmenleitsätzen. Mit „Scheiß di net an“ definierte er wohl etwas leger das biblische „Fürchte dich nicht“. Da Mut allein aber kein guter Ratgeber ist, folgte „Bitte sei net so deppad“ als Kontrapunkt.

 

Leicht verdaulich präsentiert liegen die Worte doch schwer im Magen. Simple „Gesamtbetrachtungen“ und Parallelen zwischen Afrika und dem Waldviertel „vernähern“ die Problematiken, machen sie greifbarer und unmittelbarer. Österreichischen Lohnnebenkosten von etwa 10 Euro pro Schuh im Vergleich zu chinesischen Lohnnebenkosten von einem Euro wirken dramatisch. Doch was, wenn China nun in Afrika produzieren lässt, da hier die Kosten nur noch bei 20-30 Cent liegen? Eine Abwärtsspirale, die wir nur durch bewussten Konsum bzw. Konsumverweigerung in der Lage sind, zu verlangsamen oder gar zu stoppen.

 

Wenig verwunderlich, dass bei Heini Staudinges Schilderungen Emotionen aufkommen. Ebenso wenig verwunderlich, dass ein Mann 250 Fremde zum Singen und mehrfachen Wiederholen eines Liedes bringt. Und noch weniger verwunderlich, dass der ein oder andere Gast beim Verlassen der Veranstaltung ob einer etwaigen Schauspielerausbildung Staudingers munkelt.

 

Zum Abschluss noch ein Zitat des Redners, das ich gerne unkommentiert mit Ihnen teilen möchte:

 

„Wir sollten das Leben nutzen, um Mensch zu werden. Und dabei helfen uns die Hängematten weniger als die Schwierigkeiten.“

Heini Staudinger